Wortklau-b-ereien
| Jojo's Blog - aufgezeichnete unorthodoxe Gedanken zu Leben, Glauben und Kirche | |
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Meine Schwiegermutter sprach vor kurzem, sie sei in die Messe gegangen. Dieser früher übliche, aber fast nicht mehr gebräuchliche Ausdruck hat mich zu folgenden Notizen veranlasst:
Der Ausdruck kommt vom letzten Satz der Gottesdienstfeier: Ite missa est. Man könnte meinen, geht jetzt, die Messe ist aus. Aber er meint eigentlich das Gegenteil: Geht jetzt, ihr seid gesendet. Und zwar ausgesandt mit einem Auftrag.
Der Auftrag heisst, den Menschen die Erfahrung der frohen Botschaft, des Evangeliums zu bringen, dass Gott jeden Menschen ohne Ansehen der Person und des Verdienstes liebt. Das kann in erster Linie nur mit Taten geschehen und erst in zweiter Linie mit Worten.
So kommt es zu einem Paradox: Wir gehen in die Kirche, um weggesandt zu werden.
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Pastoralraum = Weidegebiet
Es verwundert mich manchmal schon. Da gibt's so viele Kollegen, die setzen sich ein für Basis-Demokratie in der Kirche.
Aber dann kommt eine neue Struktur auf und schon übernimmt man völlig unkritisch wieder hierarchische Sprachregelungen. Die Sprache entlarvt unser Denken.
Klar: es ist schwierig, von zwei Positionen aus zu denken: als kirchlich verantwortlicher für ein bestimmtes Gebiet und als einfacher Christ.
Der Begriff Pastoralraum ist von oben herab gedacht. Da werden Gebiete bzw. Menschen in Zuständigkeiten und Verwaltungsbereiche aufgeteilt.
Allerdings wird es eigenartig, wenn die verwalteten Menschen sich in Pastoralräumen begreifen sollten.
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Katholisch heisst wörtlich: auf der ganzen Erde;
Kirche heisst wörtlich: die zum Herrn gehörenden;
An die katholische Kirche glauben, heisst für mich demzufolge:
Darauf vertrauen, dass es überall auf der Welt Christinnen und Christen gibt!
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"Jesus sei mit Euch" usw. Meist werden dann die Gebete zu Gott Jesus zentriert.
Von der Wortherkunft aus gesehen, ist das "heere" ein Adjektiv, das genauso für Frauen benutzt wurde:
"die heere frowe", meint die erhabene Frau.
Das "Herr" wurde für die Übersetzung des "Adonaj" gebraucht, das immer dann gesprochen wurde, wenn die vier göttlichen Buchstaben des Gottesnamens in der Bibel vorkamen. Es meinte in keiner Weise die männlichkeit Gottes, sondern seine Erhabenheit. Deswegen wagte man ja auch nicht, seinen Namen auszusprechen.
Wenn es dann hiess Gott ist der Herr, der einzige, meinte das, dass es ausser dem Herr Gott, keinen anderen erhabenen geben soll. Dies ist äusserst herrscherkritisch!
Genauso die Glaubensformel: "Jesus Christus ist der Herr". Es ist eine mathematische Gleichsetzung. Es gibt keinen zweiten Erhabenen.
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Vater |
unser |
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im Himmel |
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Geheiligt werde Dein Name |
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Dein Reich komme |
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Dein Wille geschehe |
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wie im Himmel |
so auf Erden |
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unser tägliches Brot gib uns heute |
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vergib uns unsere Schuld, |
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wie auch wir vergeben unseren Schuldnern |
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führe uns nicht in Versuchung, |
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sondern erlöse uns vor dem Bösen. |
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Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit |
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Das Gebet Jesu hat eine spannende Struktur: Zunächst muss man sagen, dass im Arämäischen das unser wie in der katholischen Tradition nach dem Vater kommt. So stimmen die beiden ersten Worte des Gebets mit dem weiteren Verlauf überein und sind somit schon allein das gesamte Gebet: Vater unser.
Im ersten Teil geht es immer um den Vater im Himmel, im zweiten Teil um uns auf Erden. Als Übergang kommt die Gleichsetzung "wie im Himmel=so auf Erden".
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Es gibt einige christliche Philosophen, die vom dreifaltigen Menschen sprechen. Das gefällt mir.
Wir Menschen sind dreidimensionale Wesen.
Wenn wir Gott erfahren wollen, geht es nur über diese Dimensionen.
Gott als Vater und Schöpfer aller Dinge kann ich nur erfahren,wenn ich mich selber als Geschöpf erleben. Wie oft schon habe ich über einen schönen Sonnenuntergang oder noch besser -Aufgang gestaunt.
Das Göttliche im Mitmenschen erfahren: wo immer ich einem anderen Menschen begegne, kann ich auch dem Christus begegnen. "Was du einem andern getan hast, auch wenn er noch so gering ist, hast du auch mir getan."
Mit Augustinus kommen wir noch der dritten Ebene auf die Spur: Gott ist Innerer als mein Innerstes. Es gibt ähnlich einem Rad einen zentralen Punkt in mir, da bin nicht mehr ich.
Mein alter Griechischlehrer hat mal gesagt, dass sich jedes Wesen wohl Gott als vollendetes eigenes Wesen vorstellt: die Ameise stellt sich Gott wohl als ideale Ameisenkönigin vor.
Angenommen es gibt etwas Göttliches und wir können es erfahren, dann können wir es nur im Ausloten all unserer menschlichen Dimensionen erfahren.
Daher heisst Gott suchen, ganz Mensch zu sein: so intensiv wie ich kann, verbunden mit der Natur und meinen Mitmenschen und mir selber zu leben.
Mathematisch werden diese drei Dimensionen als Achsenkreuz dargestellt. So kommt es, dass ich seit geraumer Zeit beim Segen auch ein dreidimensionales Kreuz schlage: von oben nach unten, von einer Seite zur anderen und von vorne durch mich durch.
Jedes Wesen ist der Nabel der Welt, wohin es auch geht, es nimmt diesen zentralen Punkt mit.
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Aus christlicher Sicht stört mich etwas an Halloween. Nicht, dass es ein heidnisches Fest ist. Die heidnischen Feste wurden immer integriert: so auch jeweils die Mitte der vier Jahreszeiten:
die Wintermitte ist bei uns Maria Lichtmess, die Frühlingsmitte Walpurgisnacht, die Sommermitte 1. August, die Herbstmitte Allerheiligen.
Allerheiligen - Halloween ist mitten im Skorpion, in dem es um die Ahnen und die Unterwelt geht. Es ist richtig und gut, dass man sich dann mit Armen Seelen, den Verstorbenen und den Vorfahren beschäftigt.
Was mich an Halloween stört, ist das
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Klar, es ist fast nur Profis vorbehalten, (vielleicht müsste man das üben) Fürbitten zu singen. In Taizé kommt das feierliche Singen der Antwort dazu und das Mittragen der Bitte durch das Summen der Kadenzen.
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Sehr oft denke ich beim Kommuniongang, dass der doch eigentlich feierlicher sein müsste. Aber es scheint meist um eine Schnellabfertigung zu gehen. Aber in dieser Hinsicht sind wir lange nicht so gut wie Mc Donalds, ja wir könnten noch von ihm lernen.
Beim Jubiläums der Jusesofricktal gab es an verschiedenen Orten in der Kirche Zwölferkreise, in denen unter beiden Gestalten kommuniziert wurde. War ein Kreis fertig, gingen diese an den Platz und ein weiterer Zufallskreis bildete sich. Wunderschön.
In Taizé mit seinen repetitiven Gesängen wird während der Kommunion gesungen. Man kann auch unterwegs singen, da man das Lied doch kennt. Und wenn ich mal schweige, singen die andern.
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Der Mathematiker und Physiker Archimedes stellte fest "Gib mir einen festen Punkt und ich hebe dir die Welt aus den Angeln". Das kann man auch in der Philosophie (und wohl auch Theologie) verwenden.
Der mathematische Nullpunkt definiert sich aus drei Achsen/Ebenen. Nur mit Bestimmung des Ortes auf x-, y- und z-Ebene erhalte ich einen festen Ausgangspunkt. (Sollte es übrigens eine weitere Dimension geben, findet sie sich graphisch immer im grösstmöglichen Abstand von allen anderen Dimensionen!)
Um meine Position zu bestimmen, bestimme ich Länge und Breite und brauche auch die Bestimmung der Höhe.
Das Ganze ist dann aber immer noch in Bezug auf etwas. (Eigentlich kreise ich um einen Erdmittelpunkt, der um die Sonne rast, am Rande der Milchstrasse in einer von vielen Galaxien...
Den einzigen und nur für mich festen Nullpunkt, bin ich bzw. mein Zentrum. Und wohin ich auch gehe, dieses dreidimensionale Achsenkreuz kommt immer mit mir mit.